Raiffeisenbank schließt nach 123 Jahren – 1500 Euro zum Abschied 

Der Strukturwandel hat Grattersdorf erneut getroffen. Nun schloss auch die Raiffeisenbank im Ort seine Türen.

In zwei Jahren hätte die Bank ihren 125. Geburtstag feiern können. Gegründet wurde die Bank am 20.01.1898 als Darlehenskassenverein Grattersdorf, damals im Gasthaus Altmann. Zu dem kam es leider nicht mehr. Am 28. Februar schloss Thomas Schosser zum letzten Mal die Tür.

Diese Entscheidung sei auch dem Aufsichtsrat schwer gefallen, betonte Vorstandsvorsitzender Johann Freund. Die Genossenschaftsbank zieht sich teilweise aus der Fläche zurück und will seine Geschäftsstellen bündeln. 

„Die Bankgeschäfte haben sich geändert, viel wird schon online, besonders auch mit dem Handy erledigt“, erklärte Freund. Beziffert wird die Zahl auf 60 Prozent der Privatkunden und 80 Prozent der Geschäftskunden, die ihre Bankangelegenheiten online erledigen. Corona hat diese Entwicklung noch beschleunigt. Auch die Bezahlung läuft mittlerweile schon meist bargeldlos.

Dazu kommt die Zinsstruktur, fügt Freund an, sie macht eine Kosteneinsparung nötig. Weiter erklärt Freund, herrsche mittlerweile auch im Bankbereich ein Personal- und Fachkräftemangel.

Beraten werden die Kunden künftig in den benachbarten Filialen, ob Auerbach, Lalling oder Schöfweg. Ein Geldautomat steht weiterhin in Grattersdorf zur Verfügung. 

Die Mitarbeiter stehen den Kunden weiterhin zur Seite. Lisa Rengsberger wechselt als Kundenberaterin an die Geschäftsstelle nach Auerbach. Thomas Schosser, Sabine Fixl und Susanne Kribitzneck haben im Kundenservicecenter im Rahmen der telefonischen Beratung ein offenes Ohr für die Kunden.

Das Bankgebäude steht nun unten frei, eine weitere Nutzart wird gesucht, teilte Freund mit. Die Bank hat sowohl Interesse an einer Vermietung als auch eines Verkaufes. Im oberen Teil des Gebäudes befindet sich als zuverlässiger Mieter eine Zahnarztpraxis.

Für Bürgermeister Robert Schwankl war es keine freudige Nachricht, „die Bank vor Ort hatte schon Tradition“. Gleichsam verstehe er den Entschluss, die Zahlen sprechen ja auch für sich. Gerade für die ältere Bevölkerung war die Filiale eine wichtige Einrichtung. Er bedankte sich für die langjährige Unterstützung der Gemeinde.

Geschäftsstellenleiter Thomas Schosser hatte zum Abschied noch eine schöne Aufgabe. Er durfte an Bürgermeister Robert Schwankl einen Scheck in Höhe von 1500 Euro übergeben. Dieses Geld sollte je zur Hälfte dem Seniorenclub und auch der Bücherei zugute kommen, die im Gemeindezentrum eine neue Heimat erhalten wird. 

Bild: Zum Abschied überreichten Vorstandsvorsitzender Johann Freund und Geschäftsstellenleiter Thomas Schosser einen Scheck in Höhe von 1500 Euro an Bürgermeister Robert Schwankl. Nach 123 Jahren schloss die Bankfiliale in Grattersdorf. (v. li.) Vorstandsvorsitzender Johann Freund, die Kundenberaterinnen Lisa Rengsberger, Susanne Kribitzneck und Sabine Fixl sowie Thomas Schosser, Marktbereichsleiter Christian Hofbauer und Bürgermeister Robert Schwankl.

Bianca Nickl